Ein Kind ändert alles! Ja ne, is klar…

Nico_Mika_FruehstueckIch lese regelmäßig Zeitschriften wie GQ oder die an Männer gerichteten Ableger populärer Frauenmagazine, beispielsweise Gala Men. Zu den jährlich wiederkehrenden Themen dieser Publikationen gehören Berichte darüber, wie es angeblich sei, vom Mann zum Vater zu werden.

Meistens bestehen die Stücke aus den Schilderungen eines Mittdreißigers, der sich darüber auslässt, wie sich in jenem Moment, in welchem er erfuhr, dass er Vater wird, alles, wirklich alles geändert habe (spätestens bei der Geburt…). Vorbei, alles vorbei! Die Sauftouren mit den Freunden, die One-Night-Stands mit all den Frauen, die nicht die Mutter des Kindes sind, die durchgezockten Nächte vor der Playstation mit dem besten Kumpel, die Super-Spontan-Trips nach Budapest und…und…und.

Ich selbst bin vor gut dreieinhalb Jahren Vater geworden, nachdem ich fünf Jahren geheiratet hatte. Und ja: Es hat sich einiges geändert. Vieles sogar. Der Fokus meiner Aufmerksamkeit hat sich umfassend verschoben, zumindest in jener Zeit, in der ich nicht arbeite. Ich habe deutlich weniger Zeit an sich und Schlaf im Besonderen. Die Rollen als Mann und Frau werden zumindest übergangsweise fast vollständig überlagert von den Rollen als Vater und Mutter.

Hat das wirklich alles verändert?

Es mag im Bereich des Möglichen liegen, dass ich einfach ein stinklangweiliges Leben führ(t)e. Ich arbeite gerne, mache halbwegs regelmäßig Sport, gehe ab und an auf Metal-Konzerte und sitze bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einem Cappuccino im Café zum Lesen und Schreiben. Ab und zu gehe ich feiern, und wenn, dann meistens bis zum Abwinken.

Und jetzt kommt eben dazu (bzw. muss von den vorigen Dingen abgezogen werden): Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn. Versuche, mein berufliches Reisepensum einzuschränken, sage viele Einladungen ab und stimme mich allgemein besser mit meiner Frau über unseren Kalender ab. Aber ehrlich gesagt: No big deal.

Das führt mich wieder zurück zu den oben genannten Zeitschriften. Meine Lieblingsserie ist Californication. In dieser Farce vögelt sich der von David Duchovny dargestellte Schriftsteller Hank Moody, ein dauerbetrunkener, kettenrauchender, sarkastischer Romancier zu cooler Musik durch die silikonoptimierte Damenwelt von Los Angeles – und das alles, obwohl er mit Karen, der Liebe seines Lebens, eine Tochter im Teenageralter hat.

Höchst unterhaltsam. Ein bisschen wie Sex and the City, nur eben für Männer. Es ist eine irrsinnig freudvolle Phantasie, weil vermutlich jeder Mann auf diesem Planeten sich zumindest ab und zu wünscht, so wie Hank leben zu können. Ohne Grenzen. Ohne Konsequenzen. Ohne Gewissensbisse.

Mir scheint, jene Männer, die davon schreiben, wie sich alles ändert, wollen mich glauben machen, sie hätten vor der Geburt des Kindes eine Art Moodyesques Leben geführt, welches sie dann abrupt aufgeben mussten. Aber wahrscheinlich ist das der Zweck dieser Magazine. Sie zeigen uns Klischees, Phantasien, Traumbilder – und halten sie so lebendig. Ein normales Leben haben wir ja eh schon.

Also, liebe Noch-nicht-Väter da draußen: Wenn Ihr Schiss habt, Papa zu werden, weil sich dann alles ändern könnte: Habt keine Angst. Es passiert nicht. Man wird (noch) ein bisschen erwachsener. Mehr nicht. Wenn Ihr doch das Gefühl habt, es ändere sich alles, denkt daran:

Es ist oft schwerer, sich von einem Traum zu verabschieden, als von einer Wirklichkeit.

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