Dafür kommen wir in die Hölle…vermutlich

Mika_NutellaIch esse gerne Nutella, meine Frau ebenso. Dabei wissen wir natürlich, dass es nicht eben das gesündeste aller Lebensmittel ist. Von daher hatten wir früh folgenden Kompromiss geschlossen:

Wir essen es nur am Wochenende, wenn wir sowieso gemütlich zum Frühstück beieinander sitzen. Allerdings wollten wir ums Verrecken nicht, dass Sohnemann zu früh mit dem Zeug anfängt. Die Befürchtung war zu groß, dass er dann gar nichts anderes mehr essen wollen würde – das Suchtpotenzial ist bekanntlich gewaltig. Kleine Kinder haben allerdings die Angewohnheit, immer genau das zu wollen, was ihre Eltern gerade haben. Was tun, sprach Zeus?

Die Antwort: Wir belogen unseren Sohn. Früh hatten wir gelernt, dass er besonders scharfes Essen (noch) nicht leiden kann. Nachdem er also das erste Mal gefragt hatte, was denn das dunkle Zeug auf Papas Bagel sei, haben wir beschlossen, ihm zu erzählen, dass Nutella ein besonders scharfer Brotaufstrich sei.

Mehr als drei Jahre hat er uns das abgenommen und wollte es nicht ein einziges Mal probieren. Ich fürchtete mich allerdings immer vor dem Tag, an dem er all seinen Mut zusammennehmen und todesmutig doch von dem Schokozeug kosten würde. Oder wenn er das erste Mal bei einem Freund übernachten würde und wir gar nicht kontrollieren könnten, was auf seinem Tellerchen landet.

Etwas besser ging es mir mit dem Gedanken, dass wir unsere Kinder sowieso die ganze Zeit anflunkern. Nachmittags an Heiligabend bin ich mit Mika übers Land gefahren, um Ausschau nach dem Christkind zu halten. Weil Autofahren seit dem Ende des zweiten Lebensjahres die einzige Methode ist, ihn tagsüber zum Schlafen zu kriegen. Und abends haben wir natürlich die volle Nummer durchgezogen, obwohl keiner von uns besonders gläubig ist: Glöckchen läuten, Christkind rufen, Weihnachtslieder singen, die ganze schöne Litanei.

Irgendwann wird er natürlich verstehen, dass wir ihm etwas vorgemacht haben. Und er wird uns verzeihen, wie alle Kinder. Aber die Geschichte mit dem Nutella, die wird er uns vermutlich ewig nachtragen.

Nachtrag:

Schon kurz, nachdem ich den ursprünglichen Text schrieb, sind wir enttarnt wurden.  Sohnemann war drei Jahre und zwei Monate alt. Morgens saßen wir am Frühstückstisch und ich aß wie jeden Samstag meinen Nutella-Bagel. Auf einmal schaute er ganz aufgeregt zum Nutella-Glas und sagte:

„Ey Papa, das habe ich schon mal gesehen. Bei dem Crêpe-Stand auf dem Weihnachtsmarkt.“
Meine Frau und ich schauten uns an und kicherten verschämt.
Er: „Da ist Schokolade drin.“

Schlaues Kerlchen. Er wollte aber trotzdem noch nicht probieren. Hat noch zwei Wochen gedauert…

Ein Gedanke zu “Dafür kommen wir in die Hölle…vermutlich

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